Predigt vom 10. Mai 2020

© Markus Krohn
Veröffentlicht am Sa., 9. Mai. 2020 14:03 Uhr
Neuigkeiten

Alles neu macht der Mai!

Liebe Gemeinde! 

Alles neu macht der Mai! Ja es gibt soviel Neues im Mai, neue Kartoffeln, neue Erdbeeren, neue Blätter an den Bäumen. Früher bekamen Kinder im Frühling neue Anziehsachen.

Und so verbinde ich mit dem Wort Neu ganz viel Gutes,

wie Neuanfang, wie Besserung in Notzeiten, wenn Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ 

Doch in dieser Zeit, da ist fühlt sich Neu manchmal gar nicht gut an. Neu ist heute, dass alle angehalten sind Masken zu tragen, dass die Gemeinde nicht singen darf, dass wir so wenig Kontakte wie möglich haben sollen. 

Das alles ist nicht leicht, denn erstens, tun Menschen sich schwer mit Veränderungen und zweitens ist es nicht schön, in der eigenen Freiheit immer mehr eingeschränkt zu werden. Doch das alles dient ja dem Guten, denn es geht darum, dass ich und jeder von Ihnen gesund bleibt und noch mehr, dass ein jeder von uns lebt. 

Ja, wir achten auf den Körper und seine Gesundheit. Aber was ist mit der Seele? Kennen Sie auch manch einen Moment oder Tag, an welchem Sie schlechte Laune haben? Das Wort Laune ist übrigens mit dem Wort Luna, lateinisch für Mond verwandt. Nun kann könnte man sich zurücklehnen und sagen, ich hab schlechte Laune und dann vielleicht in dieser Stimmung Streit suchen, sei es in der Familie oder mit ganz Fremden, die falsch geparkt haben oder sich im Moment nicht an die Abstandsregeln halten. 

Doch ich weiß auch, dass schlechte Laune mir selber nicht gut tut und das schlecht gelaunte Menschen, egal ob jung oder alt eine Plage sind.

Zum Glück gibt es Mittel gegen die schlechte Laune. Und einige dieser Mittel praktizieren wir regelmäßig hier in unserer Kirche.

Das Wichtigste überhaupt ist, dass es einen Ort gibt, an dem wir Menschen treffen. Und zwar nicht irgendein Ort, wie ein Bahnhof oder ein Kaufhaus, sondern hier kennen wir uns und wir sprechen miteinander. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen, er lebt davon dass er oder sie Anteil nimmt an dem, was anderen widerfährt. Wenn wir die Menschen mit denen wir sprechen mögen, dann sagt man er ist mir sympathisch. Dieses Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet mitleidend oder mitfühlend. Und in dem Moment, in dem ich mitfühle mit einem Menschen, verschwindet auch schon die schlechte Laune. Und genauso wichtig ist, dass wir, bei der Begrüßung oder beim Gespräch Lächeln oder auch mal lachen, das vertreibt schlechte Laune sofort. Deshalb schmunzeln Sie auch man zu Hause, auch wenn da niemand ist. -Im Laufe unsres Lebens lernen wir vieles, was der Seele gut tun kann. Manchmal hilft der Seele lesen, kochen, singen oder Gespräche führen. Das alles kann verhindern, dass ich grübeln und darüber nachdenke, wovor man sich fürchten könnte. Ich fand bei der Vorbereitung dieses Gottesdienste 10 Fragen, die man sich stellen soll, wenn man mal schlechte Laune hat und diese kurzfristig bessern möchte: 

Worüber bin ich im Moment glücklich? Worüber könnte ich mich freuen und glücklich sein, wenn ich es wollte? Worauf bin ich (besonders) stolz? Worauf könnte ich stolz sein, wenn ich es wollte? Wofür bin ich dankbar? Wofür könnte ich dankbar sein, wenn ich es wollte? Wen liebe ich und wer liebt mich? Was begeistert mich? Wofür könnte ich mich begeistern? Mit welchen Menschen bin ich gerne zusammen? Welches sind meine schönsten Erinnerungen? Was mache ich besonders gerne? Wann war ich einmal besonders mutig? An welchen Orten fühle ich mich besonders wohl? 

Ja, das mag helfen, aber es gibt ja nicht nur mich, sondern noch all die anderen Menschen. Jean Paul Sartre hat einmal gesagt: „Die Hölle das sind die anderen, aber der Himmel das sind sie auch.“

In unserem heutigen Text, dem Kolosserbrief steht geschrieben, wie das klappen kann mit den anderen Menschen, nämlich mit Vergebung und mit Liebe. Doch das Problem an dem Text ist, dass er eine Art Ermahnung ist. Und ich mag keine Ermahnungen. Wenn Sie mich ärgern wollen, dann sagen Sie ruhig, Sie könnten sicherlich ein bißchen freundlicher, liebevoller und herzlicher sein, gerade Sie als Pastorin oder Sie als Christin.

Wenn ich diese Ermahnung nun nicht von Anderen hören möchte, nicht vom unbekannten Autor des Kolosserbriefes, auch nicht von irgendwelchen Zeitgenossen, dann liegt das daran, dass solch eine Aufforderung den Vorwurf beinhaltet, ein liebloser und unhöflicher Mensch zu sein.

Doch wenn ich es mir nicht von anderen sagen lasse, dann kann ich es mir selber vielleicht sagen: Lucie, versuch es mal mit Geduld und Liebe, anstatt mit Aufregung und lautem Schimpfen. Ich denke, Menschen, die schlechte Laune haben, deren Seele geht es gerade nicht gut - und sie brauchen ganz besonders Liebe und Freundlichkeit. Und das Gute an der Liebe und der Freundlichkeit ist, sie wird immer mehr, je mehr wir davon abgeben. Amen. 

Gott schenke uns seinen Geist, damit wir spüren, was der Seele gut tut, der eigenen und genauso der Seele meines Gegenübers. Amen.

Ihre Pastorin Lucia von Treuenfels

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