Karfreitag 2020 - Gedanken von Pastorin Lucia v. Treuenfels

© Kirchengemeinde Sülldorf-Iserbrook
Veröffentlicht am Do., 9. Apr. 2020 16:00 Uhr
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Eigentlich kann ich nur Filme angucken, die ohne Altersbeschränkung sind oder auch für Kinder ab 6 Jahre geeignet sind, denn ich mag einfach keine Gewaltszenen sehen. Unwillkürlich halte ich mir dann die Augen zu, bis es endlich vorbei ist.

Heute an Karfreitag haben wir es mit einer Gewaltszene übelster Art zu tun. Drei Menschen sind ans Kreuz genagelt. Brutal.

Und einen trifft es noch härter, denn er wird zudem noch verspottet, seine Kleider werden verteilt, bevor er tot ist- und nicht mit Wasser wird sein Mund befeuchtet, sondern mit Essig. Und bei dieser furchtbaren Gewalt- und Leidensszene heißt es an einer Stelle: Und das Volk stand da und sah zu.

Und am Ende heißt es: Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen und sahen das alles. 

Wir leben in einer merkwürdigen Zeit. Vor Corona war das Leid oft weggesperrt, in Altersheimen, in Krankenhäusern, in besonderen Einrichtungen für Menschen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen.

Dafür guckten sich Menschen vielfältiges Leid im Fernsehen an oder im Kino, wo man aus sicherer Entfernung und auch nicht als unmittelbar betroffener Angehöriger dann spannende oder aufwühlende Szenen betrachtet, die man aber jederzeit ausschalten kann.

Doch zur Zeit, da gibt es fast zu viele Bilder vom echtem Leid, von Krankheit und Menschen mit Masken, Beatmungsgeräten und Angst. 

Und das Volk sah zu. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, wenn da irgendein Leid im Leben ist, lieber weggucken und denjenigen der Leid, Kummer, Sorgen oder eine Krankheit hat, alleine lassen.

Gründe gibt es viele: keine Zeit – oder man weiß nicht , was man sagen soll, deshalb vermeidet man das Gespräch oder gleich jede Begegnung. 

Und das Volk sah zu. Und alle seine Bekannten sahen zu – als Jesus litt und als er starb.

Es ist klar, dass Menschen sich auch schützen müssen, gerade auch in unserer Zeit vor zu vielen Bildern von Leid, Blut, Krieg und Gewalt, die in Fernsehen und Zeitung auf uns einströmen. Denn entweder verfolgen uns diese Bilder und machen Menschen depressiv, traurig und ängstlich- oder aber Menschen stumpfen ab.

Karfreitag, dieser stille und besonders schwere Feiertag unseres Glaubens ist ein Tag des Mitfühlens für all jene, die da leiden.

Man könnte sagen es ist ein Tag der Solidarität mit den Leidenden, ein Tag, an dem wir erahnen können, wieviel Mut und Kraft Menschen aufbringen müssen und auch können, um mit dem, was ihnen widerfahren ist oder immer noch widerfährt zu leben und dabei die Hoffnung nicht zu verlieren. 

Ich glaube nicht an die Hölle nach dem Leben, aber ich weiß, dass es Situationen im Leben gibt, die die Hölle sind.  Das kann der Tod eines geliebten Menschen sein. Das kann eine schwere Erkrankung sein. Oder sogar eine Erkrankung, die niemals besser, sondern nur noch schlimmer wird. Das kann der Tod des eigenen Kindes sein. 

Gegen diese Erfahrungen der Hölle im Leben hat Jesus selbst noch im Leiden den anderen am Kreuz getröstet. Der andere, er war ein Dieb, meinte, er habe es nach seinen Fehlern nicht verdient, einen Platz in Gottes Nähe zu bekommen. Doch Jesus spricht zu ihm: „Wahrlich ich sage dir: heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ 

Jesu Tod am Kreuz steht für das unterschiedlichste Leid, dass es auf Erden und bei den Menschen geben kann. 

Er wurde verfolgt, wurde von einem Freund verraten, er wurde zu Unrecht verurteilt, er wurde gefoltert bei lebendigem Leibe, er wurde ausgelacht und von seinen Liebsten getrennt.

Und in dieser schlimmen Situation hat ihm sein Glaube geholfen. Der Glaube, dass wir von Gott herkommen und dass wir am Ende wieder zu Gott zurückkommen. Zu unserem Vater. Nach Hause, wo Liebe ist und Geborgenheit. Wo Friede wohnt und jeder Schmerz und jede Einsamkeit und jedes Leid einer fernen Vergangenheit angehört.

Diesen Glauben hat Jesus so ausgedrückt:

„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“

Und als er das gesagt hatte verschied er.

Amen.

 

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Und bis wir alle uns wiedersehen, halte

Gott Euch schützend in seiner Hand.                 

                                        Ihre Pastorin Lucia v. Treuenfels

Alle Predigten und und Anspachen liegen auch in unseren Kirchen aus.

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