Predigt am Ostersonntag " Der Frühling bricht sich Bahn, alles grünt und wir feiern die Auferstehung Jesu."

Veröffentlicht am Sa., 11. Apr. 2020 16:00 Uhr
Neuigkeiten

Die Predigt zum Ostersonntag hören Sie hier

Jesu Auferstehung

Markus 16

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

 

 

Frohe Ostern, liebe Gemeinde. Der Frühling bricht sich Bahn, alles grünt und wir feiern die Auferstehung Jesu.

Leben- der Tod hat nicht das letzte Wort und Hoffnung wird sein. Das Osterevangelium bei Markus hörten wir heute Morgen vorgelesen. Eine Erzählung im ersten Lichte eines Tages. Maria, Salome und Maria Magdalena wollen dem Ritus der Totensalbung nachgehen, suchen das verschlossene Grab auf, sehen aber die Grabeshöhle vor sich offen stehen.

 

Wer wird uns den Stein von der Öffnung wegrollen? Ihre Gedanken kreisen darum, um dieses Hindernis, das sie aber zu ihrem Erstaunen weggeräumt vorfinden. Der Blick ins Innere der Höhle ist nun frei. Eine erste Hürde scheint also genommen, wobei sie sogleich an die Grenze ihres Fassungsvermögens stoßen. Ein junger Mann in einem weißen Gewand, ein Engel, empfängt sie und spricht sie direkt an: erschreckt nicht, fürchtet euch nicht, ihr sucht Jesus aus Nazareth, den Gekreuzigten, er ist nicht hier, er ist auferstanden.

 

In keiner Weise, liebe Gemeinde, können die drei Frauen den Worten folgen oder sie gar begreifen. Das frohe Fest, das wir heute feiern, beginnt mit einem Schreck, mit Fassungslosigkeit. Zu einem Gespräch untereinander kommt es in der Grabeshöhle nicht. Der Engel fährt schlicht fort: siehe da, die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht und erzählt es den Jüngern.

Erst langsam, später werden die drei Frauen, die ersten Zeuginnen an diesem Morgen, dieses Wunder annehmen. Sie fliehen zitternd vom Grab. Erst langsam schlägt ihre Trauer in Freude um und lässt sie all das feiern.

 

Wir hingegen, liebe Gemeinde, kennen eigentlich viele Anlässe, Feste: Geburtstage, Jubiläen, Sprünge auf der Karriereleiter und andere Erfolge auf dem Lebensweg oder einfach eine durchtanzte Nacht am Wochenende. Das Leben lässt sich feiern- aber wie verstehen wir es gegenwärtig, während alles ruhen muss?

 

Unsere Zeit hier: wir hatten mehr und mehr die Wahl- und werden es auch wieder haben- wie wir sie ausfüllen und gestalten wollen. Der Griff zum Smartphone zeigt es: Angebote, wie wir unsere Tage hier verleben, erreichen uns in Sekundenschnelle und lassen uns immer erneut entscheiden. Immer mehr gleicht das Leben einer riesigen Menge an Optionen, gleicht einer besseren Alternative, die uns dargereicht wird. In der Ferne Unbekanntes erobern, günstiger kaufen, sich schneller und bequemer fortbewegen, köstlicher und gesünder speisen. Gerade in den letzten Wochen dachte ich über diese Masse, über dieses Tempo nach.

 

Vieles ist ja normalerweise sofort möglich und festlegen auf traditionelle Muster, Abläufe oder Lebensweisen werden sich viele nicht mehr. Alles ist wählbar, abwählbar zugleich geworden. Mittendrin im Meer der Möglichkeiten: wir selbst- manchmal ganz ehrlich doch überfragt, gestresst, überfrachtet und durch die ständige Anforderung konfrontiert, immer noch mehr aus dem Leben zu machen, eben noch weiter zu reisen, mehr aus den Stunden und Tagen herauszupressen. Mir scheint, als ob solche Tage erst einen Wert zugesprochen bekommen, wenn schlicht alle Optionen ausgeschöpft wurden.

 

Das alles, liebe Gemeinde, ganz spannend- gerade in Zeiten, in denen zunehmend Freiräume beschnitten werden. Das nicht nur durch die letzten Wochen. Das Klima soll auch in Entscheidungen eine Rolle spielen. Kriege, Konflikte und soziale Fragen trüben den Horizont ein und erzeugen zudem Angst, was sein wird.

Möglichkeit und Machbarkeit- auch auf die Grenzen unseres Lebens bezogen. Obwohl wir uns immer verjüngen wollen, vitaler werden wollen, spüren wir bisweilen Grenzen.

Genauso auch die drei Frauen am Ostermorgen. Nicht nur der Stein verdeutlicht es: Sie stoßen an Grenzen. Ihr sucht den Gekreuzigten, so sagt es der Engel und lässt den Blick unweigerlich auf den Karfreitag zurückfallen.

 

Die Grenzlinie unseres eigenen Lebens, Sterblichkeit- aber auch Einschränkungen anderer Art. Je mehr, liebe Gemeinde, wir uns dessen bewusst werden, umso stärker ist doch auch der Wunsch, all die verbleibende Zeit auszunutzen, auszukosten, zu verwerten und alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Ich glaube, unsere Angst, Grenzen zu erfahren, ist stärker als gedacht und lässt den Blick stets auf ein Jetzt fallen, lässt uns suchen, was in dem Moment geboten wird. Auch auf das Leben blicken wir. Es wird dann verstanden als eine Aufgabe oder als eine Anforderung, es ständig auszubauen.

 

Die Wahl der Möglichkeiten, Bausteine, die wir selbst zusammenfügen und aufeinanderstapeln. In der Ostergeschichte wird der Stein weggerollt. Der Tote, um den die Frauen trauern, ist unauffindbar. Nur die Worte des Engels: Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten- er ist nicht hier. Siehe die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Auf die Endlichkeit oder auf das Ende des Lebens sind die drei Frauen zugegangen und dachten, Jesus dort zu finden, ihn salben zu können. Aber genau hier ist er nicht. Auferstanden, den Tod entmachtet und Schranken zerbrochen.

 

Werfen wir, liebe Gemeinde, einen Blick auf ein Ende? Entsteht nicht dadurch zunehmend der Wunsch in uns nach mehr, wenn wir uns einer Grenze nähern? Fürchten wir das? Wie ändert sich der Blick auf unser Leben vielleicht auch durch die letzte Zeit?

 

Ostern, das ist wunderbar, kennt diese Grenze nicht, kennt kein Ende und entkräftet es. Natürlich, die Frauen sind erschrocken, verlieren zunächst die Fassung. Und auch wir wollen vieles bestimmen, auswählen, vorgeben und kontrollieren. Der Engel hingegen ist ganz ruhig. Beinahe selbstverständlich hebt er die Grenze auf: er ist nicht hier- er ist auferstanden.

Möglicherweise, liebe Gemeinde, gibt uns das Mut, auch auf mögliche Endpunkte- und viele gäbe es davon im Leben- zu schauen, auf Punkte, wo es keine Alternative mehr gibt. Fürchten davor aber sollten wir uns nicht gleich oder meinen, es ließe sich nicht annehmen.

 

Leben ist und bleibt mehr- vor allem mehr als unsere Angst, mehr als ein kurzweiliges Angebot oder ein verplanter Tag voller kostspieliger Ereignisse. Leben ist Wunder, Geschenk, Gottes Kraft, die wir nicht verwalten. Leben ist etwas, das jenseits unserer Ängste auf uns wartet und sich dann eröffnet.

Geht aber hin, so sagt es der Engel. Er wird vor euch hergehen. Dort werdet ihr ihn sehen, den Lebendigen, den Auferstandenen! So hoffentlich auch wir, liebe Gemeinde. Mal sehen, was da wartet, wenn wir dem Leben neu irgendwo begegnen.

Frohe Ostern- Ihr Pastor Christian Carstens 

Alle Predigten und und Anspachen liegen auch in unseren Kirchen aus.

 

Bildnachweise: