Predigt "Wie sieht die Stadt der Zukunft aus?"

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Veröffentlicht von Fabio Fried am Fr., 27. Mär. 2020 18:11 Uhr
Neuigkeiten

Predigt zum 29.3.2020 „Wie sieht die Stadt der Zukunft aus?“
(Hebr. 13,12-14) von Pastor Fabio Fried

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Liebe Gemeinde,

„wie sieht die Stadt der Zukunft aus?“

Diesen Titel habe ich mir für den Gottesdienst an diesem Sonntag ausgedacht.

Er bezieht sich auf den Predigttext aus dem Hebräerbrief in dem es im 13. Kapitel heißt:

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Und so habe ich mir die Frage gestellt: „Wie sieht die Stadt der Zukunft aus?“, die wir suchen oder suchen sollen, wie es uns der Predigttext sagt.

Das war lange vor den ersten Corona Fällen in Deutschland. Vor allem, was in den letzten Wochen unser Leben, wie wir es kannten, vollkommen auf den Kopf gestellt hat.

Ich hätte mir in diesem Moment vor einiger Zeit, als ich für unseren Gemeindebrief einen Titel für den Gottesdienst suchte, nicht vorstellen können wie unsere Stadt in der nahen Zukunft verändert haben würde und nun aussieht.

Die Schulen, KiTas und Unis sind geschlossen, die Geschäfte ebenso. In Altersheimen darf kein Besuch mehr empfangen werden, persönliche Begegnungen sollen möglichst vermieden werden, zumindestens die, bei denen man sich tatsächlich physisch gegenübersitzt  - und wir alle sind aufgerufen so viel es geht zuhause zu bleiben.

Wie geht es Ihnen in dieser besonderen Zeit? 

Einige haben die letzten Tage genutzt und mich angerufen oder gemailt um zu erzählen wie es Ihnen in diesen Tagen geht. Ich freue mich sehr über diese Anrufe und möchte Sie ermuntern dieses Angebot auch in der kommenden Zeit herzlich gern zu nutzen: Das ganze Team unserer Gemeinde ist gerne für Sie da!

Dabei höre ich, dass die Situation nun für viele ganz unterschiedlich ist:

Eine Menge Menschen sind im Homeoffice und für die Familien bedeutet das Homeschooling, also das Unterrichten der Kinder zuhause, die eigene Arbeit und ein gutes Miteinander unter einen Hut zu bekommen. Viele erzählen, dass die Tage nun besonders lang sind, dass es in den eigenen vier Wänden besonders viel zu tun gibt.

Andere Leben alleine und fragen sich nun, wie man den Tag mit all seinen Stunden gut gefüllt bekommt? Und wie man gut auf die eigene Seele achtet, wenn so viel menschliche Nähe und Wärme plötzlich fehlt.

Wieder andere sind in ihren Berufen nun besonders herausgefordert: Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, Kassierer und viele mehr. Sie geben draußen alles und kommen nach langen Tagen erschöpft nach hause.

Wir alle leben in diesen Tagen zwischen berechtigter Sorge und Hoffnung.

Denn es passiert auch viel gutes in unserer Gemeinde und unserer Stadt.

Die Corona-Krise verändert unser Miteinander. Allerdings nicht nur dadurch, dass wir uns nun nicht mehr zu nah kommen sollen sondern auch dadurch, dass es eine ganz neue Form des Miteinanders gibt. Solidarität und Hilfsbereitschaft blühen plötzlich auf.

Zum Beispiel haben sich junge Menschen bei unserem Nachbarschaftsnetzwerk KiSiNet gemeldet und möchten helfen: Sie kaufen für ältere Menschen und Risikogruppen ein damit diese nicht in die Läden müssen.

Andere stellen ihren Nachbarn, die in Quarantäne sind, Präsentkörbe vor die Tür, ungefragt, einfach als liebevolle Überraschung. 

Und auf der Straße erlebe ich, dass sich die Menschen viel mehr anlächeln.

Zwar von Straßenseite zu Straßenseite aber doch mit viel Herzlichkeit.

So sehen sich plötzlich auch Menschen die sich gar nicht kennen und die sich sonst nichtmal angesehen hätten.

Und das Team unserer Lebensmittelausgabe schafft es zusammen mit der Hamburger Tafel in kürzester Zeit eine Versorgung der Bedürftigen mit fertig gepackten Tüten sicherzustellen. 

All diese Nachrichten sind für mich Hoffnungsboten.

Gerade weil einem wenn man die Nachrichten sieht manchmal ganz anders werden kann halte ich es für besonders wichtig, diese Hoffnungsgeschichten in uns zu pflegen.

In Krisenzeiten zeigt sich der Charakter der Menschen und vieles, was wir in unserer Gemeinde nun erleben gibt Anlass zu großer Hoffnung.

Eine ganz wichtige Aufgabe für uns als Gemeinschaft wird sicherlich auch weiterhin sein, die Kranken zu stützen und zu begleiten. Im Predigttext für diese Woche heißt es im ganzen: „Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Man merkt: Das ist ein Text aus der Passionszeit. Das Leiden Jesu klingt deutlich an, es geht schon um den Karfreitag. Doch es ist kein Evangelientext, der erzählt was geschah, sondern ein Brief. Hier geht es nicht um das Geschehen selbst sondern  um unseren Umgang damit. Der Text empfiehlt das mitleiden, wir sollen seine Schmach tragen.

Mitleiden klingt zunächst nicht besonders attraktiv. Oft ist es uns doch lieber, wenn es möglichst wenig Leid in unserem Leben gibt. Doch tatsächlich bietet das Mitleiden, von dem ja auch das schöne Wort „Mitleid“ kommt die Möglichkeit den anderen das Leid leichter zu machen. Und wäre es nicht wunderbar wenn es für uns, wenn wir einmal schlimmes Leid erfahren, andere da sind, die uns nicht alleine lassen, die mit uns mitleiden? 

Und auch was Gott angeht ist das Mitleid besonders spannend. Denn nicht nur wir können mit Christus mitleiden - sondern auch umgekehrt. Ein schöner theologischer Clou des Christentums liegt darin, dass das mitleiden auch umgekehrt geschieht. Dass nämlich Gott sich uns in Christus als ein Mensch zeigt, der leidet und schließlich sogar stirbt ist etwas besonderes und wurde früher von den Menschen sogar als Skandal bezeichnet.

Gott ist nicht nur glorreich, ist nicht nur im Hohen, entfernten, ist nicht nur im Glück und Gelingen. 

Sondern er ist ganz besonders auch in den Ecken unserer Stadt, in denen es dunkel ist, in denen das Leid wohnt, in denen Menschen nicht mehr weiter wissen.

Gott begleitet uns gerade in den schweren Zeiten unseres Lebens.

Gott begleitet uns ganz gewiss in diesen Tagen!

Auf unserem Kirchengelände hängt nun ein großes Banner. Darauf steht:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Tim 1,7). Möge uns diese Gewissheit Kraft sein in den Tagen und Wochen, die kommen.

Und die Stadt der Zukunft? Wie sieht sie denn nun aus? Für mich ist der Gedanke nun eine Verheißung geworden. Denn ich bin gewiss: Die Zeit wird kommen, an der wir uns alle wieder leibhaftig begegnen. 

In der wir uns die Hände reichen und uns umarmen. In der wir gemeinsam essen, trinken und lachen werden.

Bis es soweit ist segne und behüte euch Gott.

Amen.

Alle Predigten und und Anspachen liegen auch in unseren Kirchen aus.

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