Ein stiller Sonntag...

© mkmedien.de
Veröffentlicht am Mo., 16. Mär. 2020 07:21 Uhr
Neuigkeiten

Hören Sie diesen Beitrag als Podcast auf Soundcloud


Liebe Gemeinde,

Ein stiller Sonntag…

Mitten in der Fasten- oder Passionszeit war er das in doppelter Weise!

Die Kirche war geöffnet, die Kerzen brannten. Nur, dass kein Gottesdienst stattfand – ein merkwürdig- beklemmendes Gefühl zunächst. Dann aber doch das Licht, das den Raum der Martin- Luther- Kirche in den Morgenstunden erhellte. Ein Strahl, der über die Bronzetafeln im Chorraum huschte.

Die ganz Linke stellt die Szene am Gründonnerstagsabend dar, in der Petrus seinen ´Rabbi´ Jesus verleugnet. Der Hahn reckt sich aus der Tafel empor. Ich musste heute noch lange über diesen Eindruck nachdenken. In der Tat steuern wir in dieser doppelt stillen Zeit auf diese Tage zu: Gründonnerstag, Karfreitag.

Jesus wird verraten – von einem seiner engsten Weggefährten. Er hält noch das letzte Mahl, welches wir zur Zeit als Christenheit in gewohnter Form kaum feiern können – leider. Er sucht Gemeinschaft, anschließend Ruhe und das Gebet mit Wenigen seiner Jünger.

Danach wird er verhaftet, seine Jünger fliehen, suchen die Anonymität in Jerusalem und wissen erst einmal nicht, wohin. Petrus sieht, nachdem er noch mit einigem Abstand dem Tross von Soldaten und Jesus gefolgt war, ein Feuer brennen und setzt sich. Kalt wird ihm gewesen sein und noch eines: die quälende Frage, was nun wird – aus ihm, aus allem.

All das, an was er geglaubt hatte, scheint zerstört, Jesus ist gefangen genommen. Im Lichte des Feuers erkennt ihn gleich jemand: Du bist doch auch einer von ihnen? Petrus verleugnet dies entschieden, rettet sich somit. Ganz klar scheint durch, dass er jetzt an sich denkt, keine Verfolgung erleiden will, sich selbst in genau diesen Momenten der Erschütterung und Ratlosigkeit der Nächste ist.

Genau hier stocke ich. Menschen tätigen Hamsterkäufe, ich vernehme immer mehr Stimmen, die aus einer Angst herrühren. Wie sichert man sich ab? Auch mich, gerade als Papa einer Familie, lässt die Situation nicht kalt….

Ja, es ist überdeutlich: wir sorgen uns um uns. Petrus bricht am Ende der Erzählung (Lukas 22, 54 – 63) in Tränen aus, weint.

Er verzweifelt, weiß aber auch, wie sehr ihm Jesus fehlt und spürt, ihn verraten zu haben. Der Moment, in dem er ihn verleugnete war allerdings nur kurz – dieser Moment, in dem er nur an sich dachte und zuerst seine Haut retten wollte.

Die Erzählung bei Lukas nimmt ihren Lauf: Karfreitag – dann aber auch Ostern, Pfingsten. Petrus wird in der ersten jungen Gemeinde eine zentrale Rolle einnehmen. Diese Gemeinde hat Kennzeichen. Bei Lukas in der Apostelgeschichte (2,42) heißt es: „Sie blieben aber beständig im Gebet, in der Lehre der Apostel, im Brotbrechen und in der Gemeinschaft.“

Auch, wenn uns gerade jetzt, liebe Gemeinde, Sorgen beherrschen, sehe ich für uns als christliche Gemeinschaft hier einen Weg. Es gibt auch in diesen Tagen mehr als eine Selbstbezogenheit, die aus der Angst geboren wurde. Paradoxerweise fällt es uns schwer, einander zu umarmen, das Mahl einzunehmen, die Hände zum Gruß zu reichen. Dennoch gibt es die Anderen, die wir in unsere Herzen, Gebete einschließen. Dennoch gibt es die, die gerade jetzt auch unsere Hilfe und unseren Beistand brauchen.

Fortwährend kommunizieren wir. Unsere Finger sind auf den Tasten des Smartphones unterwegs.

Allerdings ist es genauso möglich und wichtig, z. B. zum Hörer zu greifen, die Stimme der Anderen zu hören und sich auch somit vor allem Zeit zu nehmen für die, die es brauchen. Gemeinschaft hört in diesen Tagen nicht auf, sondern benötigt einfach andere Weisen und auch den wachen Blick, wie wir händelbar für andere einstehen, Besorgungen vor die Tür einer älteren Nachbarin stellen oder ähnliches.

Diese Erzählung begleitet uns gerade in dieser Zeit, will anregen, trotz der Sorge sich nicht alleinig um sich selbst zu kreisen, sondern zu der Gemeinschaft zu werden, die einander kennt und sich nicht vergisst – eine Gemeinschaft, die genau hier beständig ist, wie es Lukas schreibt. Das auch in noch ungewohnter Weise – eine kreative Herausforderung für uns als Christinnen und Christen – aber ein Weg als Kirche.

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass wir bald auch wieder die Möglichkeit haben, uns in bekannter, üblicher Weise zu begegnen. Ich vermisse das schon jetzt und spüre, welch großen Reichtum wir besonders in unserer Kirchengemeinde hier haben: gut besuchte Gottesdienste, viele Aktive, Nachbarschaftshilfe, große Feste, Treffen in allen Generationen und vieles mehr! Dafür danke ich allen! Ich freue mich auf den Tag, wenn wir das wieder leben und ausgiebig feiern!

Aktuell werden wir uns in der kommenden Woche genau beraten, wie ein Gemeindeleben möglich ist, was aber auch leider nicht stattfinden kann. Alles gilt es jetzt sorgsam zu planen, abzuwiegen und  mit den landeskirchlichen und behördlichen Schreiben abzugleichen. Wir informieren sicherlich über Homepage, Aushänge und sind bei Fragen einfach zu kontaktieren.

Garantiert sind wir erreichbar, mit Ohr und Herz da, haben Zeit.

Ich wünsche euch/ Ihnen alles erdenklich Gute, Gottes Segen und sage bis bald, wenn Brot wieder gebrochen wird und Hände endlich wieder zueinander finden können.

Ihr/ euer

Pastor Christian Carstens

 

 

Bildnachweise: