»Ich glaube; hilf meinem Unglauben!«

Veröffentlicht am Di., 14. Jan. 2020 00:00 Uhr
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Manchmal frisst die Sorge um sein Kind den Vater auf. Er weiss noch genau, wie seine Frau und er sich gefreut hatten, als sie ihren Sohn das erste mal im Arm hielten.

Ein unglaublicher Moment – ein Geschenk von Gott. Doch als er älter wurde merkten seine Eltern immer wieder: Unser Kind ist nicht normal. Ihr Sohn hatte Anfälle, der Mund war voller Schaum.

Und die Sorge um ihn wurde so groß, dass sie manchmal das ganze Licht des Tages aufzusaugen schien. Die Geschichte von dem kranken Kind steht im Markusevangelium.

Ich denke: Jeder, der die Sorge um einen kranken geliebten Menschen kennt, kann nachfühlen wie es den Eltern geht. Sicher waren sie bei vielen Ärzten und haben alles versucht.

Doch niemand kann ihrem Kind helfen. Schließlich hören sie, dass ein besonderer Rabbi in ihre Gegend kommt: Es ist Jesus. Sie kennen ihn noch nicht aber der Vater fasst sich ein Herz: Er nimmt seinen kranken Sohn und geht mit ihm zu Jesus. Hin- und hergerissen zwischen Glauben und Zweifel bittet er Jesus seinen Sohn gesund zu machen und sagt einen bemerkenswerten Satz: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24), es ist die Jahreslosung für das Jahr 2020.

Manch anderer hätte in dieser Not wohl das blaue vom Himmel behauptet nur um dem eigenen Kind zu helfen. Doch dieser Mann bekennt sich gleichzeitig zu seinem Glauben und seinem Unglauben. Er erlebt: Glaube und Zweifel sind wie zwei Geschwister.

Auch die Bibel erzählt uns immer wieder von Zweiflern und Ungläubigen, oft werden sie in den Geschichten sogar besonders wichtig.

Was glauben wir im neuen Jahrzehnt, im Jahr 2020? Wo zweifeln wir? Über den eigenen Glauben und die eigenen Zweifel zu reden, das ist was für Mutige! So wie wenn man sich traut den Turm unserer Martin-Luther-Kirche an der Kletterwand zu erklimmen. Da kann es vorkommen, dass wir mal abrutschen und zu fallen drohen.

So wie man beim Klettern dann am Gurt gesichert und gehalten wird so gilt auch in Zeiten des Zweifels Gottes Zusage, dass wir in jeder Tiefe am Ende von seiner Hand aufgefangen werden.

Besonders schön finde ich übrigens den Fortgang der Geschichte : Jesus honoriert die Ehrlichkeit des mutigen Vaters und hilft dem Jungen. Wir dürfen sagen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ - und erfahren die Zuwendung Gottes. Was für eine wunderbare Zusage für ein neues Jahrzehnt. 

Ihr Pastor Fabio Fried

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